BULLETIN – Beim Bundesamt für Verkehr

Es weht ein anderer Wind im Bundesamt für Verkehr (BAV) – dem für den
nationalen öffentlichen Verkehr zuständigen Amt in Bern. Seit dem 1. Juni
2010 steht ihm Dr. Peter Füglistaler als Direktor vor. Seit November 2010 hat
er eine neue Chefin: Doris Leuthard trat die Nachfolge von Moritz Leuenberger
im UVEK an. Leuthard kann nicht unbedingt als ÖV-Fan bezeichnet
werden, ihr BAV-Chef hingegen blickt auf eine lange Karriere bei den SBB
zurück, wo er Leiter Finanzen und Recht der SBB-Infrastruktur war. Zwei
Zuger haben ihn kürzlich besucht.

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Baar profitiert mit «Zimmerberg light»

Wenn auch Sie zu den Baarerinnen und Baarern gehören, die mit dem ÖV nach Zürich fahren, sind Ihnen übervolle Züge bestens bekannt. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Der Bundesrat hat den durchgehenden Zimmerberg-Basistunnel II aus den entsprechenden Prioritätenlisten bis 2030 gestrichen.

Mit der Interpellation kommt Bewegung ins Spiel

Zum weit über eine Milliarde teuren Basistunnel gibt es eine alternative Ausbauvariante: das Projekt «Zimmerberg light» mit einem zweiten Albistunnel Baar–Sihlbrugg und einem neuen Zimmerbergtunnel Sihlbrugg–Horgen Oberdorf (Infos unter www.zimmerberg-light.ch).

Dank viel kürzeren Tunnelstrecken könnten die Kosten praktisch halbiert werden. Mit «Zimmerberg light» werden nicht nur die gleichen Kapazitätsziele wie mit dem Basistunnel erreicht. Das Projekt hat auch – insbesondere für Baar – weitere Vorteile. So müsste das Gebiet Deinikon Litti weniger lang unter einer Grossbaustelle leiden. Und in Thalwil wären die Anschlüsse der Schnellzüge in Richtung Pfäffikon–Graubünden weiterhin gewährleitet.

Die Idee ist zwar nicht neu, doch weigerten sich SBB und Kanton bisher, den «Zimmerberg light» seriös zu prüfen. Nun kommt aber Bewegung ins Spiel. Für den nötigen, überparteilichen Druck sorgt eine Interpellation, die auch von den Baarer Kantonsräten Heini Schmid und Zari Dzaferi miteingereicht wurde und die vom Regierungsrat wissen will, ob er sich für eine sorgfältige Prüfung einer kostengünstigeren Variante einsetzt.

Auch wir Baarer sollten dem «Zimmerberg light» eine Chance geben, ansonsten der Zug für einen Doppelspurausbau nach Zürich für lange Zeit abgefahren ist.

André Guntern, Vizepräsident Alternative – die Grünen, Baar

[Der Beitrag erschien in der Rubrik «PARTEIENFORUM» des Zugerbieters am Mittwoch, 16. Februar 2011.]

Zimmerbergtunnel – light oder zero

Doris Leuthard, die neue Vorsteherin des eidgenössischen Umwelt- und Verkehrsdepartementes (UVEK), dürfte mit ihrer Medienkonferenz am 20. Januar für viele lange Gesichter gesorgt haben, auch beim Zuger Volkswirtschaftsdirektor Michel und im Zuger Amt für öffentlichen Verkehr. Der Zimmerberg Basistunnel II (ZBT II) ist vom Tisch!

Was ist passiert? Es sind ja kaum 10 Monate her, seit Leuthards Vorgänger Moritz Leuenberger zusammen mit dem damaligen BAV-Chef Friedli die beiden Varianten für Bahn 2030 vorgestellt hatte: eine für 12 und eine für 21 Milliarden. In der teuren Variante war der ZBT II drin. Die bange Frage lautete schon damals: Wie sollen diese 21 Mrd. finanziert werden?

Bahn 2030 ade

Inzwischen hat nicht nur die Chefin im UVEK gewechselt, sondern auch der Chef im Bundesamt für Verkehr (BAV). Das BAV bereitet die Entscheide zuhanden des Bundesrates vor, was an Bahninfrastrukur gebaut und wie es finanziert werden soll. Peter Füglistaler machte schon letzten Herbst klar, was er vom Grossprojekt Bahn 2030 hält: wenig. Er favorisiert ein etappiertes Vorgehen. Zusätzliche Brisanz in die ganze Diskussion brachte der Umstand, dass die SBB jahrelang zu wenig in den Unterhalt der Infrastruktur investiert hat. Der Nachholbedarf und die zukünftig höheren Ausgaben belasten die Bahnrechnung und engen den Spielraum für Investitionen weiter ein.

So passierte, was zu befürchten war: Der Bundesrat hat Bahn 2030 de facto beerdigt! Er schlägt nun für die Investitionen in die Bahninfrastruktur einzelne Ausbauschritte vor, im Rhythmus von vier bis acht Jahren. Gleichzeitig macht er auch einen Vorschlag für die Finanzierung, welche den gestiegenen Unterhaltsbedarf der SBB berücksichtigt. Dieser Finanzierungsvorschlag hat für die grossen Schlagzeilen gesorgt.

Zimmerberg vom Tisch

Weniger Aufmerksamkeit bekam der Umstand, dass der erste Ausbauschritt nur 3.5 Mia betragen und erst 2025 realisiert sein soll. Informationen über den zweiten Ausbauschritt suchte man in der offiziellen Medienmitteilung vergeblich. Die Recherche beim BAV brachte es dann an den Tag: Auch im 2. Ausbauschritt ist der ZBT II nicht enthalten!

Ebenfalls vergeblich sucht man den Tiefbahnhof Luzern auf der Liste. Der zweite Ausbauschritt soll erst 2034 realisiert sein. Fazit: Wenn die Zentralschweiz, will heissen vor allem die Kantone Luzern und Zug, sich jetzt nicht in einer mit Herzblut geschmiedeten Allianz finden und gemeinsam für ihre Projekte kämpfen, sind wir für sehr lange Zeit auf dem Abstellgleis.

Dabei soll nicht verschwiegen werden, dass der Leidensdruck in Luzern wesentlich grösser ist als in Zug. Der Bahnhof Luzern ist kapazitätsmässig am Anschlag. Demgegenüber gibt es für die Erhöhung der Kapazitäten zwischen Thalwil und Zug kurz- und mittelfristige Massnahmen, welche für einige Jahre reichen (längere Züge, durchgehende Doppelspur zwischen Cham und Rotkreuz). Eine entsprechende Vorlage wird demnächst in den Zuger Kantonsrat kommen. Und Zug hat ein eminentes Interesse am Tiefbahnhof Luzern!

Mutiges Handeln nötig!

Mit dem Projekt Zimmerberg light, das nicht nur wesentlich kostengünstiger als ZBT II ist, sondern auch entscheidende betriebliche Vorteile bringt, kann es Zug noch in den zweiten Ausbauschritt schaffen. Und ein Teil des eingesparten Geldes soll für den Tiefbahnhof Luzern eingesetzt werden. Gefragt ist jetzt mutiges Handeln der Zuger Regierung. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Beim Zimmerberg stehen wir heute vor der Frage: light oder zero.

Martin Stuber, Kantonsrat Alternative – die Grünen, Zug

[Der Beitrag erschien in der Rubrik «ZUGER ANSICHTEN» der Neuen Luzerner Zeitung und ihrer Innerschweizer Ausgaben am Samstag, 5. Februar 2011.]

Medienmitteilung vom 11. Januar 2011

«Zimmerberg light – Bahnausbau mit Augenmass»

Mit dem Ziel eines raschen Bahnausbaus Zürich–Zug–Luzern ist am 4. Januar 2011 in Cham das überparteiliche Komitee «Zimmerberg light – Bahnausbau mit Augenmass» gegründet worden.

Das Komitee engagiert sich für eine durchgehende Doppelspur von Zug nach Zürich, die sich an der heutigen Linienführung via den Knoten Thalwil orientiert. Diese Lösung weist ein deutlich besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis auf als der Zimmerberg-Basistunnel II (ZBT II), der nur vergleichsweise wenigen Nonstop-Zügen dient. «Zimmerberg light» lässt sich schneller finanzieren und einfacher bauen. 

Das Komitee fordert, dass der Aufwand für den ZBT II (11,3 km) im Vergleich zur Alternative zweiter Albistunnel Baar Litti–Sihlbrugg (3,4 km) in Kombination mit einem neuen Doppelspurtunnel Sihlbrugg–Horgen Oberdorf (ca. 2 km) endlich seriös abgeklärt wird.

Die zu erwartenden Einsparungen dank «Zimmerberg light» sollen dem auch für Zug bedeutenden Projekt «Tiefbahnhof Luzern» zugute kommen.

Vorankündigung: Am 3. Februar 2011, 10.15 Uhr, wird im Restaurant Glashof in Zug eine Medienkonferenz zum Thema stattfinden.