Drohungen statt Argumente

Die Stellungnahme der SBB zum Minderheitsbericht Ausweichstelle Walchwil ist voller Widersprüche und wirft mehr Fragen auf, als dass sie gültige Antworten liefert. Ausserordentlich bedauerlich ist die Tatsache, dass der Text zwei Drohungen enthält, die recht eigentlich einem Erpressungsversuch gleichkommen!

Die Drohung, die Schliessung der Doppelspurlücke in Rotkreuz zu verschieben, ist nicht ernst zu nehmen, schneiden sich doch die SBB damit ins eigene Fleisch. Der Verfasser der SBB-Stellungnahme versicherte noch im Januar während einer Anhörung, dass diese Lücke unabhängig von Walchwil so oder so geschlossen werde.

Die Drohung, dass die Variante Murpfli schlussendlich vom Kanton bezahlt werden müsste, betrachten wir als Erpressung. Der Bau der Ausweichstelle Murpfli hat den gleichen Grund wie der Bau der offiziellen Variante. Es ist nicht einzusehen, weshalb im einen Fall der Kanton und im anderen Fall der Bund bezahlen soll, umso mehr, als der Kredit ja schon gesprochen ist und das Murpfli erst noch günstiger zu stehen kommt. Die SBB verscherzen sich mit solchen Drohungen den Status eines fairen Verhandlungspartners.

Dass diese Drohungen von der Volkswirtschaftsdirektion aufgenommen werden, statt dass ihnen entgegengetreten wird, erstaunt uns. Die VD hat die Interessen des Kantons zu vertreten.

PHILIP BRUNNER, MARTIN STUBER, KANTONSRÄTE ZUG

 [erschienen in der «Neuen Zuger Zeitung» und in der «Zuger Woche» vom 30. Mai 2012]

Fehlgelenkter Bahnausbau bringt nur Nachteile

Zum SBB-Doppelspurausbau in Walchwil

Die Ausweichstelle für die Zuger Stadtbahn S 2 wurde am falschen Ort gebaut: in Oberwil statt weiter südlich. Das ist klar daraus ersichtlich, dass die Abfahrten in Zug zur Minute 39 und die Ankünfte zur Minute 18 ausserhalb des Takts erfolgen, dass die Fahrzeit deutlich länger ist als bei der S 2 Zug ab 05 und dass schon in Walchwil statt im Knotenpunkt Arth-Goldau gewendet werden muss.

Die in den Sand gesetzten 12 Millionen Franken für Oberwil drohen jetzt eine noch grössere Fehlinvestition auszulösen: die von den SBB geplante 1,7 km lange Doppelspurinsel bei Walchwil für ca. 110 Millionen. Für deren Bau will man die Bahnlinie am Zugersee-Ostufer während zweier Jahre sperren und die Gotthardzüge via Rotkreuz–Cham umleiten, ohne dass die Passagiere bei der 8-minütigen Spitzkehre in Rotkreuz ein- oder aussteigen dürfen.

Keine Vorteile

Den hohen Kosten und unnötigen Erschwernissen stehen praktisch keine Pluspunkte gegenüber. Das SBB-Projekt erlaubt keine halbstündliche S-2-Verbindung bis Arth-Goldau. Während der Totalsperre geht der Zeitgewinn aus dem Gotthard-Basistunnel fast zur Hälfte verloren, und die umgeleiteten Züge werden die S 1 zwischen Zug und Rotkreuz verspäten.

Die überparteiliche Alternative «Walchwil Light» vermeidet diese Nachteile. Sie sieht eine kostengünstige Ausweichstelle für die Stadtbahn im Gebiet Murpfli vor. Alle Fahrplanvorgaben der SBB werden beachtet. Nach Einführung des Halbstundentaktes auf der Gotthardachse kreuzen sich die Schnellzüge in Zug und in Arth-Goldau, die Schnellzüge und die S-Bahn-Züge wie heute im Bahnhof Walchwil. Die S-Bahn kann halbstündlich bis Arth-Goldau verkehren und vermittelt dort Anschlüsse Richtung Rigi/Rapperswil–St.Gallen/Einsiedlen/Brunnen–See /Tessin. In Erstfeld bewahrt die S 2 ausreichend Wendezeit, ohne dass für die Rückfahrt ein neues Fahrzeug und anderes Personal eingesetzt werden muss.

Demnächst wird der Zuger Kantonsrat zum Bahnausbau Stellung nehmen. Die Richtplanänderung zur Doppelspurinsel Walchwil ist zurückzuweisen. Wer im Parlament die Variante «Walchwil Light» befürwortet, handelt im Interesse der Anwohner und der Bahnreisenden, wer sie ablehnt, schadet unserer Region.

GERHARD SCHMID, CHAM

[veröffentlicht in der Neuen ZZ vom 19. Mai 2012 und in der «Rigi Post» vom 24. Mai]

Stärke sollte durch Vernunft erreicht werden

«Zentralschweiz ist allein zu schwach»

«Neue Luzerner Zeitung» und Regionalausgaben vom 4. Mai

Das Lamento des Zuger Landammanns Matthias Michel über die angeblich stiefmütterliche Berücksichtigung der Zentralschweiz beim Bahnausbau darf nicht unwidersprochen bleiben. Es trifft zu, dass mit dem bundesrätlichen Vorschlag Fabi (Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur) in besonderem Masse die Romandie zum Zuge kommt, dies deshalb, weil sie bei mehreren vordringlichen Projekten jahrelang vernachlässigt und vertröstet wurde.

Vergleichsstudie überfällig

Beim magistralen Jammern wäre aber immerhin anzumerken, dass der kostenmässig monströse Gotthard-Basistunnel nicht der Westschweiz zugute kommt, sondern zur Hälfte in der Innerschweiz liegt. Gegenwärtig investiert der Bund zudem 250 Mio. Fr. in die Tieflegung der Zentralbahn in Luzern. Die 176 Millionen teure Fehlinvestition Engelbergtunnel lässt auch nicht auf fehlenden Goodwill der Steuergeld verteilenden Bundesbehörden schliessen.

Bei dieser Ausgangslage müsste den Verantwortlichen endlich klar werden, dass eine seriöse Vergleichsstudie zwischen den Tunnelprojekten Zimmerberg-Basistunnel II (ZBT II) und «Zimmerber light» (ZBL) überfällig ist. Dem oberflächlichen Parteigutachten der SBB in Form sogenannter Faktenblätter fehlt die Plausibilität. Dass der ZBT II schon zweimal im nationalen Parlament durchgefallen ist, hat nicht zuletzt mit mangelnder Wirtschaftlichkeit zu tun: Ausschliesslich für die wenigen Nonstopzüge zwischen Zug und Zürich bestimmt, lässt sich das milliardenschwere Bauwerk nicht verantworten. Eine durchgehende Doppelspur zwischen Zürich und Zug mit ZBL wäre rund halb so teuer, und für ein mittelgrosses Projekt bei der Ausmarchung um Bahngelder wäre die Rgion Zug wesentlich besser positioniert.

PHILIP C. BRUNNER, KANTONSRAT UND MITGLIED GGR, ZUG

[veröffentlicht in der Neuen ZZ vom 11. Mai 2012, unter dem Titel «Zentralschweiz ist allein zu schwach» ein zweites Mal in der Neuen ZZ vom 12. 05., ein drittes Mal mit der Überschrift «Seriöse Vergleichsstudie ist überfällig» in der Neuen ZZ vom 15. 05.; in der «Zuger Woche» vom 16. 05. unter «Zentralschweiz ist allein zu schwach» – magistrales Jammern von Matthias Michel]

Der Ausbau ist betrieblich nicht zu rechtfertigen

Zum SBB-Doppelspurausbau in Walchwil

Der Auftakt im Zuger Kantonsparlament zum fragwürdigen Projekt einer Doppelspurinsel Walchwil ist ein Lichtblick: Die Ratsmehrheit hat bestimmt, das umstrittene Geschäft nicht nur der Raumplanungskommission zuzuweisen, sondern auch der Kommission öffentlicher Verkehr. Ein sachpolitisch richtiger Entscheid, bravo!

Beim SBB-Vorschlag handelt es sich um einen Ausbau, der betrieblich nicht zu rechtfertigen ist und den Bahnreisenden die Schikane einer 2-jährigen Totalsperre Zug Oberwil–Arth-Goldau zumutet. SBB-intern rechnet man mit Kosten von mindestens 110 Millionen Franken, nach aussen kommuniziert man «ca. 100 Mio.», das vertraute Spiel mit gezinkten Karten. Aus ungezählten Stunden Gratisarbeit von unabhängigen Spezialisten, Anwohnern von Walchwil und Mitgliedern des Komitees «Zimmerberg light – Bahnausbau mit Augenmass» resultiert mit «Walchwil Light» in topografisch günstigem Gelände eine Alternative, die markant weniger kostet, die halbstündliche S-Bahn-Verbindung bis Arth-Goldau ermöglicht und ohne 2-jährige Streckensperrung mit Umleitung der Gotthardzüge via Rotkreuz auskommt.

Für Perronverlängerungen

Die SBB stemmen sich gegen den Vorschlag, welcher anstelle der in Oberwil am falschen Ort angelegten Doppelspurinsel die S-Bahn-Kreuzungen weiter südlich im Gebiet Murpfli vorsieht. Gemäss SBB müsste auch eine Ausweichstelle Murpfli 1,7 km lang sein. Das ist kompletter Humbug, es sei denn, man wolle damit eine partielle Vorinvestition für den Zimmerberg-Basistunnel II tätigen, wie dies bei der offiziellen Doppelspurvariante der Fall ist. Aber für den ZBT II, der, wenn überhaupt, frühestens nach 2030 zur Verfügung stünde, gibt man heute nicht 110 Mio. aus und nimmt bau- und betriebliche Nachteile in Kauf, die der viel kostengünstigeren Variante «Walchwil Light» nicht anhaften. Das eingesparte Geld lässt sich sinnvoll umleiten, z.B. auf Perronverlängerungen in Rotkreuz und Baar, damit zwischen Luzern und Zürich in naher Zukunft 400 m lange Züge verkehren können.

Die Mitglieder des Kantonsrats sind gut beraten, den Beschwörungen von Regierung und SBB weiterhin nicht blind zu vertrauen.

GERHARD SCHMID, CHAM

[publiziert in der Neuen ZZ vom 31. März 2012]

 

Ja zum «Zimmerberg light»-Projekt

 Alle reden von zukünftigen infrastrukturellen Herausforderungen des Kantons Zug. Von der katastrophal veralteten, teilweise eingleisigen Verbindung zwischen Zug und Zürich Hauptbahnhof bzw. Flughafen spricht kaum jemand. Die SBB und die Zuger Volkswirtschaftsdirektion unter Leitung von Matthias Michel FDP agieren im Verbund mit den von ihnen gesteuerten Lobby-Organisationen seit Jahren zugunsten des Zimmerberg-Basistunnels II (ZBT II). Dieser hat für Zug den entscheidenden Nachteil, dass er auf der Gotthardachse keine nennenswerten Verbesserungen bringt, hingegen grosse Nachteile bei den Netzverbindungen vom und in den Raum Zug. Die geringe Auslastung des ZBT II (Wegfall der vormals eingeplanten Güterzüge und ab Zug ohne Ein- und Ausfahrtmöglichkeit beim Umsteigebahnhof Thalwil) rechtfertigt die massiven Kosten von 1,3 bis 1,5 Milliarden Franken in keiner Art und Weise. Als umstrittenes Grossprojekt würde der ZBT II zudem nicht vor 2035 zur Verfügung stehen. So lange können wir uns in Zug nicht mehr gedulden – wir haben schon rund 40 Jahre lang auf die A4 durchs Säuliamt gewartet.

Viel realistischer und vernünftiger erscheint demgegenüber die durchgehende Doppelspur auf der Stammstrecke Baar Litti–Horgen Oberdorf, wie sie vom überparteilichen Komitee «Zimmerberg light – Bahnausbau mit Augenmass» ins Spiel gebracht wird, wo ich aus Überzeugung Mitglied bin (http://www.zimmerberg-light.ch). Dank halb so vielen Tunnelkilometern lassen sich dabei Hunderte von Millionen Steuerfranken einsparen. Das etappenweise Vorgehen – im ersten Schritt  ein zweiter Albistunnel bis Sihlbrugg und abschliessend ein neuer Doppelspurtunnel Sihlbrugg–Horgen Oberdorf – erhöht zusätzlich die Chancen für eine frühere, rasche Verwirklichung. Der rund 115-jährige Einspur-Engpass aus dem 19. Jahrhundert zwischen Zug und Zürich muss raschmöglichst beseitigt werden! Wann endlich dämmert es den Verantwortlichen, was betrieblich und wirtschaftlich Sinn macht?

Als Kantonsrat und KMU-Unternehmer ist es mir ein grosses Anliegen, intelligente und zahlbare Projekte zu vertreten, welche allen Zugern und Zugerinnen bald etwas bringen. Dies falls nötig gegen den Willen unserer Regierung, welche leider mit dem ZBT II noch immer auf den „Nimmerleinstag“ wartet bzw. weiter träumt. Im Kanton Zürich ist man bereits etwas weiter: Eine „Standesinitiative für die rasche Behebung der Engpässe auf der Bahnstrecke Zürich−Thalwil−Zug“ wurde vom Zürcher Kantonsrat am 5. März 2012 an die dortige Regierung zu Bericht und Antrag überwiesen. Man darf auf den Rückenwind aus Zürich in dieser Sache gespannt sein.

PHILIP C. BRUNNER, KANTONSRAT SVP, ZUG

[Der Beitrag erschien unter dem Titel «Die Infrastrukturen genügen heute nicht mehr» in der Neuen Zuger Zeitung vom 26. März 2012.]