Konstruktives zum Bahnausbau am Zugersee

Welche Lösung bietet sich an?

Landammann Matthias Michels Engagement für die Schnellzugshalte in Rotkreuz und Baar ist erfreulich. Es geht um stark frequentierte Umsteigepunkte auf die Zuger Stadtbahn und die ZVB. Wichtig ist auch die Beibehaltung der ebenfalls gefährdeten Interregio-Halte in Thalwil (Reisen an den Zürichsee und nach Glarus/Graubünden) und des Flughafenzugs in Oerlikon.

Die Regierung will ihre Haltung zum Ausbau der Strecke am Ostufer des Zugersees als Druckmittel gegenüber den SBB einsetzen. Auf ihren Antrag hin hat der Kantonsrat die Richtplanänderung Walchwil vorläufig aufs Eis gelegt. Als willkommener Nebeneffekt der daraus resultierenden Denkpause lässt sich die Lage der geplanten Ausweichstelle nun ohne die anfängliche Aufregung über den Alternativvorschlag Dritter prüfen.

Gemäss den Angaben der SBB kreuzen sich die Gotthardschnellzüge künftig um die Minuten 30 und 60 in Zug und um die Minuten 15/45 in Arth-Goldau. Eine andere Möglichkeit besteht nicht, es sei denn mit einer durchgehenden Doppelspur, die niemand will. Entsprechend muss die Ausweichstelle nur diesem einen Fahrplankonzept genügen. Bei einer Realisierung des Zimmerberg-Basistunnels II fahren die Züge in Zürich 6 Minuten später ab, so dass sich in Zug und Arth-Goldau nichts ändert.

Die S 2 kann den Fernverkehr weiterhin im Bahnhof Walchwil kreuzen, wo sie ohnehin hält. Beim Fernverkehrs-Halbstundentakt müsste die S 2 in Zug früher, um die Minuten 5 und 35 statt 9 und 39, starten. Für die Kreuzung mit dem Schnellzug würde Walchwil aber dennoch zu spät erreicht, wenn die S-Bahn-Züge aus der Gegenrichtung in Oberwil (zu nahe bei Zug) abzuwarten sind.

Die SBB wollen das Kreuzungsproblem Fernverkehr – S-Bahn mit der Doppelspurinsel «Walchwil Nord» lösen. Flexibilität brächte eine solche Investition nicht, da der zweigleisige Abschnitt in weniger als zwei Minuten durchfahren wäre.

Diese Nachteile vermeidet eine Ausweichstelle im fast unbewohnten Wiesengelände Murpfli zwischen Oberwil und Walchwil. Bei einer Vorverschiebung der S-Bahn-Abfahrten in Zug um 3 bis 4 Minuten kreuzen sich die Züge der S 2 im Murpfli und gelangen damit rechtzeitig nach Walchwil. Die Fahrzeiten der Schnellzüge blieben davon unberührt. Warum sollen Landammann Michel, die Regierung und der Kantonsrat dieser konstruktiven Lösung nicht zustimmen können?

HANSWALTER SCHNYDER, ZUG

[veröffentlicht in der «Neuen Zuger Zeitung» vom 4. Juli 2012]

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