Unvorhergesehene und absichtliche Streckensperrungen

SBB-Verbindungen am Gotthard wegen des Felssturzes bei Gurtnellen und am Ufer des Zugersees

Das Krisenmanagement der SBB nach dem Felssturz bei Gurtnellen lässt uns einmal mehr an der Führungsriege zweifeln. Hat man Italienreisenden ab Zürich von Anfang an empfohlen, via Bern–Brig zu fahren und auf eine der 7 täglichen EC-Verbindungen nach Mailand umzusteigen, was gegenüber dem Normalverkehr am Gotthard lediglich 20 Minuten länger gedauert hätte? Natürlich nicht. Stattdessen schickt man überlange, schwach besetzte Schnellzüge nach Flüelen, lässt die Kunden samt Gepäck in Busse umsteigen, analog in Göschenen zurück in die Bahn und in Chiasso womöglich in einen unklimatisierten italienischen Regionalzug, der Milano Centrale nicht bedient.

In umgekehrter Richtung „funktioniert“ der Betrieb in Flüelen wie folgt: Bahnersatzbusse treffen ungleichmässig ein, eine erste Serie in der Regel kurz nachdem der Schnellzug nach Zürich abgefahren ist. Reisende werden durch die Unterführung gelotst auf eine Regionalkomposition mit Ziel Luzern oder auf die einteilige S 2 nach Zug. Das leicht erreichbare Gleis 1 bleibt unbenutzt. Dramatisch eng wird es in der S 2, wenn sie Reisende aus 6 Bussen samt Gepäck aufnehmen soll. In Zug bestünde Anschluss an den Interregio aus Luzern, aber ohne Lautsprecherdurchsage schaffen es die Wenigsten, innert 4 Minuten von Gleis 3 durch die Bahnhofhalle auf Gleis 5 zu wechseln!

Angesichts des aktuellen Ersatzbetriebs auf der Gotthardlinie wird es einem mulmig beim Gedanken an den geplanten Totalunterbruch Zug–Arth-Goldau von 2016 – 2018: massiv längere Reisezeiten innerhalb unserer Region, taktgestörte Interregios zwischen Luzern und Zürich, behinderte S 1 zwischen Zug und Rotkreuz, Chnorz in den Bahnhöfen Zug und Arth-Goldau usw. Grund für diese zweijährige Streckensperre und Umleitung der Züge mit Spitzkehre via Zug–Rotkreuz–Arth-Goldau ist die überflüssige und mit mindestens 110 Mio. Fr. unsinnig teure Doppelspurinsel Walchwil. Für die nach Einführung des Fernverkehr-Halbstundentakts ins Tessin erforderliche neue Ausweichstelle für die Zuger Stadtbahn gibt es eine topografisch und betrieblich vorteilhaftere Variante: den Doppelspurabschnitt für die S 2 im Gebiet Murpfli. Weil aber die SBB und die Zuger Regierung nicht selbst auf diese optimale Lösung gekommen sind, halten sie stur an ihrem angestammten Projekt fest und decken Andersdenkende mit Falschaussagen, Leerformeln und Schutzbehauptungen zu.

GERHARD SCHMID, CHAM

[erschienen in der «Neuen Zuger Zeitung» vom 27. Juni 2012, leider mit dem sinnstörenden Begriff „Streckenführung“ statt „Streckensperrungen“ in der Überschrift]

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