Doppelspurausbau in Walchwil schürt viele Emotionen

Zum geplanten SBB-Doppelspurausbau in Walchwil

Gemäss dem Plädoyer von Kantonsrat Stuber anlässlich der Kantonsratsitzung vom 31. Mai braucht es aufgrund der von den SBB veröffentlichten Berechnungsmodelle keine Sperrung der S-Bahn Zug–Goldau. Sperrungen sind nicht für Streckenrevisionen, sondern nur für Notfälle vorgesehen.

Die alternative Doppelspur Murpfli könnte auch als Kreuzung für die Schnellzüge genutzt werden, obwohl zurzeit nur in Zug und Goldau eine Kreuzung vorgesehen ist. Die Variante Murpfli wäre auch die kostengünstigere sowie umweltverträglichere Variante.

Die vorgebrachten Argumente der SBB sowie der Raumplanungskommission sind demzufolge zur Durchsetzung der erweiterten Doppelspur Walchwil weder stichhaltig noch vertrauenserweckend.

Vorschlag aus heiterem Himmel

In der «Neuen Zuger Zeitung» vom 23 Juni wurde aus heiterem Himmel noch der Doppelspurausbau Oberwil Süd publik. Somit wird die Doppelspur zum Doppelspiel der SBB. Die tatsächlichen Absichten der SBB und der Regierung werden undurchschaubar und sind mit früheren Aussagen nicht stimmig. Ich verstehe, dass viele Ratsmitglieder politische Gegner gerne als Feinde einstufen und deren Vorstösse nicht ernst nehmen oder von vorneherein aus politischen Gründen ablehnen. Dies wären Machtspiele auf dem Rücken der Wähler. Und diese gilt es zu vermeiden.

Es ist zu hoffen, dass der Kantonsrat sowie die Regierung eine rein sachliche Bewertung der Aussagen von Kantonsrat Stuber vornehmen. Sind die Argumente gegen den Doppelspurausbau Walchwil stichhaltig, ist die Raumplanungsänderung abzulehnen. Stattdessen soll die Variante Murpfli vorgezogen werden, womit auch der Bahnbetrieb Zug–Goldau sichergestellt ist – ohne zweijährige Streckenschliessung. Jeder weitere Bahnausbau Zugersee Ost soll in den Berg verlegt werden. Gewählte Kantonsräte und Regierung sollen etwas Gutes für die Bewohner ihres Kantons und nicht für die besonderen Bedürfnisse Einzelner tun.

RENÉ STUDER, WALCHWIL

In ihrem Argumentationsnotstand zum unsinnigen Projekt der Doppelspurinsel «Walchwil Nord» werden die Ausflüchte der SBB immer abenteuerlicher. Gemäss Botschaft zur Gesamtschau FinöV des Bundesrates vom 17. 10. 2007 «brächte der Zimmerberg-Basistunnel II eine Einsparung von rund sechs Minuten auf der Nord-Süd-Achse.» Daraus folgert der SBB-Mediensprecher Reto Schärli: „Bei gleich bleibender Abfahrtszeit in Zürich würde sich der Begegnungspunkt der Gotthard-Züge in den Bereich der Haltestelle Oberwil bis Räbmatt verschieben. Dann bräuchte es dort eine Doppelspur.“ Aktuell, laut Herr Schärli, stehe in der Planung aber im Vordergrund, dereinst die Abfahrtszeiten in Zürich um sechs Minuten zu verlegen. Auf diese Weise würde der Begegnungspunkt der Gotthard-Züge weiterhin in Zug verbleiben.

Nun, es bedarf keiner besonderen Rechenkünste, um diese Aussagen als völligen Nonsens zu entlarven. Zur Fernverkehrs-Kreuzungsstelle Oberwil: Macht es denn Sinn, mit einem milliardenteuren Basistunnel ZBT II sechs (6) Minuten Fahrzeit einzusparen, um die Hälfte davon im Raum Oberwil bereits wieder einzubüssen? Noch schwindelerregender ist die SBB-Option, die Züge in Zürich HB nicht um .09, sondern um .15 abfahren zu lassen, damit der Kreuzungspunkt in Zug (Anschlussspinne) erhalten bleibt. Ein wahrhaft törichtes Denkmuster: Die ganze Fahrzeitverkürzung aus dem ZBT II wartend im HB Zürich investieren, dort den Reisenden unnötig lange Umsteigezeiten zumuten und in Zug zur gleichen Zeit abfahren wie heute!

Verantwortungsloser Umgang

Dem Komitee «Zimmerberg light – Bahnausbau mit Augenmass» (ZBL), dem ich aus Überzeugung angehöre, ist schon längst klar, was hier gespielt wird. Auch wir haben uns natürlich überlegt, was der Zeitgewinn aus einem allfälligen milliardenteuren Bau des ZBT II mit sich brächte: den Bedarf einer für 400-Meter-Züge ausreichend langen Ausweichstelle nördlich von Walchwil, wozu das derzeit mit fadenscheinigen Begründungen favorisierte Projekt «Walchwil Nord» ganz klar eine erste Vorinvestition darstellt. Der Bau des ZBT II ist zu Recht höchst umstritten, noch längst nicht bewilligt, geschweige denn im nächsten Vierteljahrhundert realisierbar. Es müsste eigentlich längst allen politischen Mandatsträgern im Kanton Zug einleuchten, dass es sich bei diesem rund 110 Mio. Fr. teuren Ausbauvorhaben bei Walchwil um einen unglaublich verantwortungslosen Umgang mit öffentlichen Geldern handelt. Letztlich geht es nicht zuletzt auch um Zuger Steuergelder – aber dies spielt offenbar in einem Kanton keine Rolle, wo Sachpolitik nun machtpolitischen Interessen geopfert werden soll.

PHILIP C. BRUNNER, SVP-KANTONSRAT, ZUG

Die Planung der SBB für die Linie Zug–Arth-Goldau ist seit Jahren geprägt von Aktionen in letzter Minute und Vorhaben, die den Zweck nicht erfüllen, den sie gemäss offizieller Darstellung haben sollten. So geschehen bei der falsch platzierten Ausweichstelle Oberwil, und nun wiederum bei der Doppelspurinsel Walchwil. Wie ich waren die meisten Gegner der entsprechenden Richtplanänderung bisher der Meinung, dass wohl nur heimlich gehegte Absichten eine vernünftige Erklärung dafür bieten würden, weil man den Planern der SBB eine Inkompetenz dieses Ausmasses ganz einfach nicht zugetraut hat. Tatsächlich gibt es aber Hinweise, dass diese Möglichkeit sehr wohl in Betracht zu ziehen ist.

Wie man einem grossen Hintergrund-Artikel in der NZZ am Sonntag («Leerlauf bei den Bundesbahnen») entnehmen kann, verursachen massive organisatorische und planerische Missstände seit Jahren den Weggang von kompetenten Bahnfachleuten, die zunehmend durch Juristen, Betriebswirtschafter sowie andere Berufsgattungen mit geringem Eisenbahnwissen, aber umso grösserem konzeptionellem und bürokratischem Betätigungsdrang ersetzt werden. Die Folge sind Mittelverschwendung und Planungen, die nicht zielführend sind. Die bestehende Ausweichstelle Oberwil legt Zeugnis davon ab. Hätte man sie seinerzeit weiter südlich bei der Räbmatt gebaut, hätte dies genau so gut zu den künftigen Zielen des Richtplans gepasst wie es die jetzige Lage tut, sie hätte aber eine deutlich nützlichere sofortige Wirkung gehabt. Da man das falsche Ende der künftigen Doppelspurinsel Oberwil wählte, musste dem Siedlungsgebiet Räbmatt die versprochene Haltestelle weggenommen werden, und die Haltestelle Hörndli bekam keinen Halbstunden-, ja nicht einmal einen vollständigen Stundentakt. Die schlechten Anschlüssen in Zug wegen der ungenügenden Kompatibilität mit dem Fahrplanregime auf der Gotthardlinie waren eine weitere Folge.

Linienführung offen

Nun soll sich dieses Trauerspiel wiederholen, denn wiederum werden die von den SBB genannten Projektziele nicht genügend erfüllt, obwohl grosse Baukosten anfallen, und zusätzlich noch die Volkswirtschaft des Kantons durch zwei Jahre Streckensperrung beeinträchtigt wird. Der von ausgewiesenen Eisenbahnfachleuten gemachte Gegenvorschlag Murpfli wird dagegen nicht einmal in Erwägung gezogen, obwohl er nicht nur die Projektziele besser erfüllt (notabene bei geringeren Projektkosten), sondern – und das ist wirklich erschütternd – sogar dem Fernziel «Zimmerbergtunnel» besser dienen dürfte, und zwar beiden vorgeschlagenen Varianten. Stattdessen wird zuhanden des Kantonsrats der Gegenvorschlag mit Argumenten schlecht dargestellt, von denen kein einziges stichhaltig ist, was ich gerne jederzeit zu belegen bereit bin.

Während der Vorschlag der SBB eine spätere Verlegung des Neat-Zubringers in den Berg erschwert, wenn nicht verunmöglicht, bleiben beim Vorschlag Murpfli nicht nur die Tunnel-, sondern durchaus auch die offene Linienführung offen. Sollte der Kanton Zug bei der allfälligen Festsetzung der Doppelspurinsel Oberwil zum Schluss kommen, dass diese nötig und deshalb aus eidgenössischem oder kantonalem Interesse heraus zu bauen sei, würde aus dem Doppelspurabschnitt Murpfli zusammen mit Oberwil eine mehrere Kilometer lange Doppelspurstrecke, deren betrieblicher Nutzen und positiver Einfluss auf die Fahrplanstabilität deutlich höher wäre, als dies zwei getrennte Abschnitte tun könnten.

Ob nun also heimliche Absichten vorhanden sind, oder ob es sich um blosse Fehlplanung handelt: So oder so wäre der Kantonsrat gut beraten, die Angelegenheit genauer zu untersuchen und die Vorlage nicht anzunehmen, ohne dass vorher eine wirkliche Abwägung der Argumente stattfindet. Dass ein Vorhaben des öffentlichen Verkehrs nicht nur von den betroffenen Benutzern und Anwohnern, sondern auch von grüner Seite (!) bekämpft wird, sollte zu denken geben.

ANDREAS HOTZ, WALCHWIL

Jetzt ist die Katze aus dem Sack – die SBB planen gemäss SBB-Sprecher Schärli nach einer allfälligen Fertigstellung des Zimmerberg Basistunnels II (ZBT II) den Bruch der Anschlussspinne entweder im Bahnknoten Zug oder im Knoten Zürich. Damit wird der Fahrzeitgewinn von 5 Minuten ad absurdum geführt und es wird offensichtlich, dass es sich um eine kostspielige Fehlinvestition handelt! Dieser Fahrtzeitgewinn wird bekanntlich immer wieder als Hauptvorteil gegenüber dem betrieblich vorteilhafteren und wesentlich kostengünstigeren Ausbau der Stammstrecke («Zimmerberg light») genannt. Was nützt aber der Fahrzeitgewinn, wenn dafür die Wartezeiten verlängert werden?

SBB-Hörigkeit ablegen

Der Schreibende wird im erwähnten Artikel bezüglich des entstandenen Misstrauens gegenüber den SBB zitiert. Diese Aussage habe ich noch ohne Kenntnis der Aussagen des SBB-Sprechers gemacht. Sie trifft nun umso mehr zu! Und die Zuger Regierung wäre gut beraten, ihre SBB-Hörigkeit endlich abzulegen und sich für die Interessen des Kantons Zug und der Zentralschweiz einzusetzen.

MARTIN STUBER, KANTONSRAT, ZUG

[Leserbriefserie in der «Neuen Zuger Zeitung» vom 26. Juni 2012]

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