Fehler erkennen und eingestehen

Zum Doppelspurausbau bei Walchwil

Fehlplanungen können überall vorkommen, auch in Grossunternehmen wie den SBB. Wer sich als Planer mit einer halbstündlichen S-Bahn-Verbindung Baar Lindenpark–Walchwil befasste, hätte im Voraus merken müssen, dass aus einer kurzen Ausweichstelle in Oberwil kein echter Halbstundentakt resultiert und vereinzelte Halbstunden-Fernverkehrszüge Richtung Süden die S 2 bereits in Oberwil zum Wenden zwingen.

Nach Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels werden die Schnellzüge Zürich–Tessin tagsüber halbstündlich verkehren. Statt auf diese Angebotserweiterung hin die ungünstig angelegte Ausweichstelle Oberwil aufzugeben und durch eine optimale Lösung in unbebautem und topografisch vorteilhaftem Gebiet Murpfli zu ersetzen, kommt als Korrektiv buchstäblich die Brechstange zum Einsatz, indem durch das Wohngebiet Walchwil die bestehende 600 m lange Doppelspur auf 2,3 km anwachsen soll. Kostenpunkt: mindestens 110 Millionen Franken Steuergeld, Bundesmittel ohne SBB-Beteiligung notabene, und als lästige Dreingabe eine 2-jährige Streckensperrung Oberwil–Arth-Goldau mit Umleitung der Züge via Rotkreuz.

Fehler können passieren und dafür hat man Verständnis. Weniger nachvollziehbar ist die Haltung der Zuger Regierung und der sich abzeichnenden Kantonsratsmehrheit, die kostengünstigere und betrieblich vorteilhaftere Variante mit der Ausweichstelle Murpfli keinesfalls ernsthaft prüfen zu wollen. Unsere Obrigkeit verharrt vor den SBB wie die Maus vor der Schlange und erweist dem Kanton Zug damit einen Bärendienst.

Kurt Nägeli, Hünenberg

 [abgedruckt in der «Neuen Zuger Zeitung» vom 11. Juni 2012, in der «Zuger Presse» / im «Zugerbieter» vom 13. Juni und in der «Zuger Woche» vom 27. Juni]

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