Es gibt schwarze Wolken über dem Zugersee

Zum geplanten Doppelspur-Ausbau der SBB vor Walchwil

Die SBB planen, zwischen Zug und Goldau die Eisenbahn auf Doppelspur auszubauen, um insbesondere für den S-Bahn-Verkehr Kapazitäten zu schaffen. Als fleissige S-Bahn- und ÖV-Benutzer begrüssen wir diesen Schritt sehr, werden doch heute Walchwil und die angrenzenden Schwyzer Dörfer nur mit einem beschränkten Fahrplan erschlossen.

Die vorgeschlagene Ausbauvariante erweist sich nun aber als äusserst bittere Pille. Die SBB planen, die Doppelspur mitten im Dorf Walchwil zu realisieren. Man stelle sich vor, auf mehr als 1,7 Kilometer in steilem und schwierigem Gelände soll das Trassee quasi auf die Breite einer Hauptstrasse mit Trottoir und Doppelstrommasten alle 50 Meter ausgebaut werden. Das Bauwerk wird wohl nur durch massive und damit von überall her gut sichtbare Betonkunstbauten möglich. Wo auch immer man sich aufhält, auf dem See, im gegenüberliegenden Immensee oder sich das Ganze von oben von der Rigi her betrachtet, der grobe Eingriff in die ansonsten schon recht verbaute Walchwiler Hanglage wird die Landschaft für alle kommenden Generationen prägen. Damit verlieren nicht nur die einzelnen Quartiere an Wert, sondern das ganze Dorf, der ganze obere Zugersee und damit letztlich der ganze Kanton.

Alternative Murpfli seriös prüfen

Nun wurde kürzlich von besorgten Bürgern und Organisationen eine Alternative vorgestellt, welche bezüglich Fahrplanverbesserungen mindestens so gut wie das offizielle Projekt ist, aber die Doppelspur anstelle mitten im Dorf Walchwil im Raum Murpfli in weitgehend unbewohntem und weitaus besser geeignetem Gebiet vorsieht. Die Bahnstrecke verläuft über weite Teile im Wald, und die Bäume bieten so einen natürlichen Sichtschutz. Das Gelände ist einiges flacher und macht wesentlich weniger Kunstbauten nötig, was sich auch in wesentlich tieferen Kostenschätzungen äussert (vielleicht 100 Millionen Franken günstiger). Als weiteren Bonus würde diese Lösung keine zweijährige Schliessung der Eisenbahnstrecke mit sich bringen.

Im Lichte dieser Fakten wäre es sicher für viele Bürger, welche an einem optimalen Verhältnis von Lebensqualität und leistungsfähiger Erschliessung interessiert sind, naheliegend, diese Alternative Murpfli seriös zu prüfen. Dies wäre im Interesse aller, welche sich um die schöne Zuger Landschaft und um das gute Gedeihen des Kantons sorgen.

Der Zuger Kantonsrat will offenbar noch in diesem Monat im Rahmen des Bewilligungsverfahrens zur Frage der Doppelspur den SBB-Vorschlag genehmigen. Es war schon überraschend, wie der für Walchwil seit Jahrzehnten wohl prägendste Eingriff in die Landschaft vom Gemeinderat offensichtlich ohne viel Diskussion hingenommen wurde. Es sollte aber nicht sein, dass auch der Zuger Kantons- und Regierungsrat ein so riesiges Bauwerk aus Desinteresse, Autoritätsgläubigkeit oder Parteienkalkül einfach durchwinkt.

Christian Gut und Familie, Walchwil

 [der «Neuen Zuger Zeitung» und der «Zuger Woche» vom 20. Juni 2012 entnommen]

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