Die Neat bringt dem Personenverkehr viel

Zum Interview mit Hans-Peter Wessels, Präsident Gotthardkomitee, in der Ausgabe vom 4. Juni

Der Präsident des Gotthardkomitees, der Basler Regierungsrat Wessels, bedauert die fehlenden Anschlüsse für die Neat im Norden und im Süden. Dabei geht etwas unter, dass für den Güterverkehr ein durchgehender 4-Meter-Korridor über Luino zu den Terminals in Italien vorerst genügen würde. Mehr macht in der Schweiz solange keinen Sinn, wie in Deutschland und Italien die Zulaufstrecken nicht ausgebaut sind und weitere leistungsfähige Terminals fehlen.

Beim Personenverkehr sieht es anders aus. Für den Verkehr innerhalb der Schweiz braucht es auf der Nord-Süd-Strecke keine grossen Ausbauten, solange in Italien zwischen Chiasso und Mailand nichts passiert. Für den durchgehenden Halbstundentakt zwischen Zürich und Lugano genügt der Bau einer zusätzlichen Ausweichstelle entlang dem Zugersee – aber bitte am richtigen Ort!

Der Ausbau auf durchgehende Doppelspur zwischen Thalwil und Baar wird hingegen für den Viertelstundentakt zwischen Zürich–Zug–Luzern benötigt. Das genügt aber nicht: Ohne Tiefbahnhof Luzern ist der Viertelstundentakt unmöglich. Das heisst, diese beiden Projekte gehören eigentlich zusammen.

Statt dem 1,3 Milliarden Franken teuren Zimmerberg-Basistunnels II (ZBT II) ist der halb so teure, schneller realisierbare und etappierbare Ausbau der Stammstrecke – «Zimmerberg light» – die richtige Antwort. «Zimmerberg light» ist nicht nur wesentlich kostengünstiger, sondern auch vom Netzeffekt her besser: Thalwil als Umsteigestation bleibt nämlich erhalten.

Herr Wessels spricht von einem «deutlichen Fahrzeitgewinn» dank ZBT II. Sind fünf Minuten ein deutlicher Fahrzeitgewinn? Im Verhältnis zu den 40 Minuten, welche der Gotthard-Basistunnel bringt, wohl kaum.

Und ist es sinnvoll, angesichts der knappen Mittel in der Schweiz Hunderte von Millionen für ein paar Minuten zu investieren, wenn nachher zwischen Chiasso und Mailand wegen fehlender Ausbauten und betrieblicher Benachteiligungen (bei der Einfahrt Mailand geniesst der Regionalverkehr Vortritt gegenüber internationalen Zügen!) viel mehr Zeit wieder verloren geht?

Martin Stuber, Kantonsrat Alternative – die Grünen, Zug

 [abgedruckt in der «Neuen Zuger Zeitung» vom 8. Juni 2012]

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