Fragwürdiger Zimmerbergkredit

 Der Kanton Zug schickt sich an, 50 Millionen Franken aus dem Ertragsüberschuss 2008 für den Zimmerbergtunnel zurückzustellen. Es ist nicht klar, ob damit der untaugliche Basistunnel gemeint ist oder die durchgehende Doppelspur Baar Litti–Horgen Oberdorf durch den Ausbau der bestehenden Linie (cf. Leserbrief «Bahngeplänkel: Luzern–Zug–Zürich» vom 31. August.in dieser Zeitung). Die anvisierte «Reserve» nimmt sich bei beiden Varianten relativ bescheiden aus, und so ist hier das Prädikat «Vorfinanzierung» fehl am Platz. Viel sinnvoller wäre es, das Geld in zwei Projekte zu investieren, die bereits in 2 – 3 Jahren markante Verbesserungen brächten.

Einen wesentlichen Trumpf kann die Bahn gegenüber anderen Nahverkehrsmitteln ausspielen, wenn sie bei erhöhter Nachfrage die Reisezüge verlängert. Auf den Kanton Zug bezogen ist das bei den Interregios leider nicht möglich, weil mit maximal 11 Waggons die Perron-Nutzlängen in Rotkreuz und Baar ausgeschöpft sind. Eine Ausweitung der Perrons von 300 m auf die für wichtige Bahnhöfe heute üblichen 420 m ergäbe einen markanten Sitzplatzgewinn auf der Strecke Luzern – Zürich.

Im Weiteren verursacht die kurze Einspurstrecke Freudenberg–Rotkreuz chronische Verspätungen im Interregio- und Stadtbahnverkehr. Dieser Zustand lässt sich nicht länger rechtfertigen mit dem Argument, dass vielleicht in ferner Zukunft eine Verknüpfung mit der Bahnlinie am westlichen Zugerseeufer erneut ins Spiel kommen könnte.

Aus obgenannten Gründen sollte Zug mit folgendem Vorschlag an Bund und SBB gelangen: «Für die durchgehende Doppelspur zwischen Rotkreuz und Cham sowie die Perronverlängerungen in Baar und Rotkreuz von heute 293 m bzw. 300 m auf 420 m stellt der Kanton Zug 50 Millionen Franken zur Verfügung, sofern die Anlagen bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2012 zur Verfügung stehen.»

Nachdem in den letzten zehn Monaten bezüglich öffentlicher Verkehr von offizieller Seite und Medienschaffenden ein bunter Strauss von Fakten, Halbwahrheiten, Falschmeldungen und Illusionen präsentiert wurde, wäre es angebracht, an einer öffentlichen Podiumsdiskussion die ganze Thematik zu durchleuchten. Die Zeit drängt, weil nur eine klare Strategie mit optimaler Kosten-Nutzen-Situation zielführend ist. Es gibt landesweit mindestens 20 Bahnausbauprojekte von ähnlicher oder höherer Dringlichkeit, die sich auf erhoffte Bundesbeiträge von weit über 20 Milliarden summieren.

GERHARD SCHMID, HÜNENBERG

[erschienen in der Neuen ZZ vom 2. 9. 09]

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