Es ist weder üblich noch notwendig, dass sich das Komitee «Zimmerberg light» bei Eisenbahnprojekten ausserhalb seines direkten Interessenspektrums zu Wort meldet. Bei Bahn 2000 plus machen wir eine Ausnahme, denn es handelt sich um einen genialen Vorschlag, der die verkrusteten Planungsmentalitäten bei den SBB ebenso infrage stellt, wie wir das mit ZBL tun. Unser Kommentar stützt sich auf einen Beitrag in der „NZZ am Sonntag“ vom 5. Februar 2012 (S. 27).
Bahn 2000 plus verlangt im Wesentlichen eine Neubaustrecke Roggwil–Altstetten für Reisezüge. Diese schnelle Verbindung zwischen Bern und Zürich würde eine Reihe milliardenschwerer Ausbauvorhaben zwischen Olten und Schlieren erübrigen, namentlich aufwändige Tunnelbauten.
Bahn 2000 plus besticht durch sein gründlich durchdachtes Konzept mit weit reichenden positiven Auswirkungen auf Sitzplatzangebot, Reisezeiten, Vernetzungseffekte, Pannensicherheit, Energie, Umwelt (im Wechselspiel Bahn-/Autobahnausbau), Produktivität, Mehrerträge, betriebliche Abläufe und Realisierbarkeit.
Die Fahrzeit Bern–Zürich würde auf 42 Minuten verkürzt mit erheblichen Vorteilen für das übrige Netz: z. B. bessere Anschlüsse in Luzern, Halbstunden- statt Stundentakt Bern–Zofingen–Luzern, für Bern–Luzern 5 Minuten Fahrzeitgewinn, für Bern–Zug 16 Min., für Biel–Zug 21 Min. Damit relativieren sich die dank Zimmerberg-Basistunnel einzusparenden 5 Min. zwischen Zürich und Zug! Bahn 2000 plus wirkt sich im Weiteren vorteilhaft auf west-, nord-, ost- und südschweizerische Destinationen aus.
In dieser Optik wirken die SBB-Ausbaupläne obsolet:
- Der Engpass Olten mit dem ab Roggwil weit ausgreifenden Umweg nach Norden bleibt bestehen.
- Der Mischbetrieb von Schnell-, Regional- und Güterverkehr senkt die Trassenkapazität.
- Die von Lausanne bis Olten via Bern und Biel bestehenden getrennten Linien haben keine Fortsetzung bis Zürich und erhöhen so das Pannenrisiko mit einschneidenden Folgen für den Gesamtbetrieb.
- Die Stammlinie Olten–Zürich ist geschwindigkeitsmässig nicht aufwärtskompatibel.
Wenn es gelingt, die SBB vom eingeschlagenen Irrweg abzubringen, steigen die Chancen, dass auch in der Zimmerbergfrage letztlich die Vernunft obsiegt.
Die Idee einer Neubaustrecke Roggwil–Altstetten war wiederholt ein Medienthema, aber die SBB-Spitze hat den Vorschlag jeweils postwendend mit hanebüchenen Argumenten verworfen. Die vertiefte Studie Bahn 2000 plus ist das Ergebnis ungezählter Stunden an Gratisarbeit (wie bei «Zimmerberg light», jedoch in weit grösserem Ausmass), ein Umstand, der unseren hochbezahlten Funktionären beim Staat und in staatsnahen Betrieben nicht mehr als ein müdes Lächeln entlockt.
[Dieses Rundschreiben an die ZBL-Mitglieder wurde hier mangels Alternative der Rubrik ‚Lesermeinungen‘ zugeteilt, jedoch in keinem Printmedium veröffentlicht.]